Du schreibt deine Blogbeiträge mit ChatGPT oder generierst mit Midjourney Bilder für deine Socila Media Profile? Dann fragst du dich angesichts der ab August geltenden KI-Kennzeichnungspflicht sicher, ob diese Inhalte davon betroffen sind oder nicht. Die Verpflichtung zur Transparenz nach Artikel 50 des EU AI Acts sorgt oft für Verunsicherung bei österreichischen Unternehmen. Mit unserem Leitfaden versuchen wir ein paar Antworten und Hilfestellungen zur neuen Rechtslage ab 2. August 2026 zu geben.
Hinweis: Dieser Artikel bietet eine strukturierte Orientierungshilfe auf Basis aktueller Richtlinien der WKO und der österreichischen KI-Servicestelle der RTR. Er ersetzt keine individuelle anwaltliche Rechtsberatung.
1. Übersicht & Schnell-Check: Gilt für deinen Betrieb die KI-Kennzeichnungspflicht?
Wer KI-Tools zur Erstellung von Inhalten nutzt, fällt grundsätzlich in den Geltungsbereich der neuen Transparenzregeln. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, ob du KI nutzt, sondern wie du die Ergebnisse veröffentlichst.
Die Pflicht betrifft dich direkt, wenn folgende Punkte zutreffen:
- Du bindest einen automatisierten KI-Chatbot im Kundenservice ein.
- Du veröffentlichst fotorealistische KI-Bilder oder KI-Videos auf deiner Website oder deinen Social-Media-Kanälen.
- Du lässt Texte vollständig von einer KI schreiben und veröffentlichst diese unredigiert.
Sie betrifft dich in der Regel nicht, wenn du KI lediglich als Brainstorming-Partner nutzt oder die generierten Texte vor der Veröffentlichung massiv umschreibst und inhaltlich überprüfst.
2. Rechtsgrundlage verständlich erklärt: Der EU AI Act (Art. 50) und die Situation in Österreich
Der EU AI Act regelt den Umgang mit künstlicher Intelligenz in ganz Europa. Für die Content-Erstellung ist speziell Artikel 50 relevant. Dieser Artikel definiert die sogenannten Transparenzverpflichtungen. Das Gesetz unterscheidet zwischen Anbietern (die eine KI entwickeln) und Betreibern (Unternehmen, die eine KI nutzen). Als typisches österreichisches Gewerbeunternehmen zählst du zu vermutlich zu den Betreibern.
Artikel 50 verlangt, dass Nutzer erkennen können, wenn sie mit einer KI interagieren oder synthetische Inhalte konsumieren. Synthetische Inhalte sind Texte, Bilder oder Videos, die künstlich erzeugt oder stark manipuliert wurden. In Österreich begleiten die Wirtschaftskammer (WKO) und die KI-Servicestelle der RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) diese Umsetzung. Beide Stellen empfehlen eine proaktive und transparente Kommunikation mit deinen Kunden.
3. Stichtag 2. August 2026 vs. Gegenwart: Warum du schon JETZT aufpassen musst
Die harten Strafen nach dem EU AI Act greifen erst ab dem 2. August 2026. Das verleitet viele Betriebe zu der Annahme, sie müssten bis dahin nichts tun. Diese Annahme birgt ein massives Risiko.
In Österreich gilt bereits das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Veröffentlichst du beispielsweise fotorealistische KI-Bilder von vermeintlichen Referenzprojekten oder nutzt du einen Chatbot, der sich als menschlicher Mitarbeiter ausgibt, gilt dies als Kundentäuschung. Solche Irreführungen können schon vor 2026 durch Mitbewerber abgemahnt werden. Die Transparenz schützt dich also nicht nur vor künftigen EU-Strafen, sondern vor akutem wettbewerbsrechtlichem Ärger.
4. Die 4 Kern-Szenarien in der Praxis: Wann musst du kennzeichnen?
Die Vorgaben variieren stark nach Medienformat. Hier ist die detaillierte Aufschlüsselung für deinen Arbeitsalltag.
4.1 Szenario A: KI-Texte für Blog, Social Media & PR
Bei Texten greift oft eine wichtige Ausnahmeentscheidung in Artikel 50 Absatz 4. Wenn ein Text einer sogenannten redaktionellen Kontrolle unterliegt, entfällt die strenge Kennzeichnungspflicht meist.
Das bedeutet: Wenn du dir von ChatGPT einen Rohentwurf schreiben lässt, diesen inhaltlich auf Richtigkeit prüfst, eigene Fakten ergänzt und den Stil anpasst, übernimmst du die redaktionelle Verantwortung. In diesem Fall gilt der Text als dein eigenes Werk. Kopierst du einen Text jedoch blind 1:1 und veröffentlichst ihn automatisiert, musst du ihn als KI-generiert markieren.
4.2 Szenario B: KI-Bilder, Grafiken & Header-Fotos
Bilder und Videos aus Tools wie Midjourney oder DALL-E müssen gekennzeichnet werden. Der Gesetzgeber fordert, dass dies maschinenlesbar erfolgt. Das passiert meist über C2PA-Metadaten. C2PA ist ein technischer Standard, der Informationen zur Herkunft und Erstellung direkt in die unsichtbaren Dateiinformationen eines Bildes einbettet.
Zusätzlich zu diesen unsichtbaren Metadaten, die beim Upload auf Social Media oft verloren gehen, wird eine sichtbare Kennzeichnung (zum Beispiel im Alt-Text des Bildes oder als kleine Bildunterschrift) dringend empfohlen.
Pro-Tipp: Viele Social Media Netzwerke sind bereits dabei für ebendiese Fälle in Europa vorzusorgen. Schon bei der Posting-Erstellung erhalten Nutzer die Möglichkeit ein KI-Label auszuwählen, dass die Verwendung von KI-Bildern in den Posts erkenntlich macht.

4.3 Szenario C: Kundenservice-Chatbots & KI-Telefonassistenten
Hier kennt das Gesetz absolut keine Grauzone. Wenn Kunden mit einem KI-System kommunizieren, müssen sie dies bei der ersten Interaktion erfahren. Der Nutzer muss wissen, dass er nicht mit einem Menschen aus Fleisch und Blut schreibt oder spricht. Diese sofortige Informationspflicht gilt für Chatfenster auf deiner Website genauso wie für automatisierte Telefon-Bots.
4.4 Szenario D: Deepfakes, Stimmsimulationen & KI-Videos
Deepfakes sind Inhalte, die bestehende Personen, Objekte oder Orte täuschend echt nachbilden oder verfälschen. Erstellst du ein Video, das aussieht wie ein echtes Interview, oder klonst du eine menschliche Stimme, musst du dies zwingend und unübersehbar offenlegen. Ausnahmen gelten hier nur sehr eingeschränkt für offensichtliche Satire oder Kunst, wobei die Schwelle dafür im geschäftlichen Umfeld extrem hoch liegt.
5. Schritt-für-Schritt Entscheidungsbaum: In 3 Fragen zur Kennzeichnungspflicht
Prüfe deine Inhalte vor der Veröffentlichung anhand dieser drei simplen Fragen:
Frage 1: Interagiert der Nutzer live mit der KI (Chatbot oder Sprachassistent)?
- Ja: Sofortige, sichtbare Kennzeichnung beim Erstkontakt ist absolute Pflicht.
- Nein: Weiter zu Frage 2.
Frage 2: Handelt es sich um ein fotorealistisches Bild, ein manipuliertes Video oder eine künstliche Stimme?
- Ja: Kennzeichnung per Metadaten (C2PA) und idealerweise sichtbar als Text-/Bildunterschrift.
- Nein (es ist ein Text): Weiter zu Frage 3.
Frage 3: Wurde der Text von dir inhaltlich geprüft, korrigiert und maßgeblich überarbeitet (redaktionelle Kontrolle)?
- Ja: Keine explizite Kennzeichnung nach AI Act nötig.
- Nein (1:1 Übernahme): Kennzeichnungspflicht am Ende des Textes.
6. Praxis-Toolbox: Fertige Vorlagen & Muster-Disclaimer zur KI-Kennzeichnung
Nutze diese direkt kopierbaren Textbausteine für deine Unternehmenskanäle. Passe sie bei Bedarf leicht an deinen eigenen Tonfall an.
6.1 Muster-Text für Website-Footer oder Impressum
Binde diesen Passus in dein Impressum oder auf einer separaten Transparenz-Seite ein, um eine grundsätzliche Aufklärung zu leisten.
„Transparenzhinweis zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI): Wir setzen auf unserer Website vereinzelt KI-gestützte Werkzeuge zur Erstellung von Texten und Bildmaterial ein. Alle generierten Texte unterliegen vor der Veröffentlichung einer strengen redaktionellen Prüfung durch unsere Mitarbeiter. Bilder, die vollständig durch KI generiert wurden und keine echten Szenen abbilden, sind als solche gekennzeichnet (z. B. in der Bildunterschrift oder den Metadaten).“
6.2 Muster-Hinweis für KI-Chatbots im Kundenservice
Dieser Text muss als Begrüßungsnachricht im Chatfenster erscheinen.
„Hallo! Ich bin der digitale KI-Assistent von [Unternehmensname]. Ich beantworte deine Fragen rund um die Uhr automatisch. Falls ich einmal nicht weiterweiß, verbinde ich dich gerne mit einem menschlichen Mitarbeiter aus unserem Team. Wie kann ich dir helfen?“
6.3 Muster-Disclaimer für Social Media (LinkedIn, Instagram)
Setze diesen Hinweis bei unredigierten KI-Posts ans Ende des Textes.
„Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI formuliert und von unserem Team auf inhaltliche Richtigkeit geprüft. Das verwendete Bildmaterial wurde durch eine KI generiert und dient rein illustrativen Zwecken.“
7. Die offiziellen EU-Icons richtig einbinden
Die Europäische Union entwickelt einheitliche Icons, die KI-Inhalte auf einen Blick markieren sollen. Auch wenn diese Icons (Stand jetzt) oft noch freiwilligen Charakter haben, helfen sie dir bei der einfachen Umsetzung der Transparenzpflicht.
Platziere solche Symbole dezent in der Ecke eines KI-generierten Header-Bildes oder füge entsprechende Emojis (wie einen Roboter-Kopf) am Anfang eines KI-generierten Social-Media-Beitrags ein. Sichtbare Symbole schaffen Vertrauen und beugen Missverständnissen vor.
8. Checkliste: KI-Nutzung im Betrieb rechtssicher organisieren
Damit du bis August 2026 alle internen Prozesse sauber aufgesetzt hast, arbeite diese Punkte ab:
- Führe ein internes Register aller KI-Tools, die dein Team für Marketing, Vertrieb oder Support nutzt.
- Erstelle eine kurze interne Richtlinie (KI-Guideline), die klärt, wann Mitarbeiter Texte redaktionell prüfen müssen.
- Prüfe deine Website-Bilder auf irreführendes Potenzial. Tausche KI-Bilder aus, die fälschlicherweise als echte Referenzprojekte deines Betriebes verstanden werden könnten.
- Aktualisiere das Impressum mit dem oben genannten Muster-Text.
- Stelle sicher, dass der Website-Chatbot sich eindeutig als Maschine vorstellt.
9. FAQ: Häufige Fragen österreichischer Betriebe zur KI-Kennzeichnung
Muss ich rückwirkend alle alten ChatGPT-Texte auf meinem Blog kennzeichnen?
Das Gesetz sieht keine pauschale Rückwirkung vor. Wenn die Texte jedoch irreführend im Sinne des österreichischen Wettbewerbsrechts sind, solltest du sie überarbeiten oder mit einem Hinweis versehen.
Reicht es, wenn ich KI-Bilder mit einem Wasserzeichen versehe?
Ein unsichtbares Wasserzeichen (Metadaten) ist technisch oft erforderlich. Da diese Daten beim Download oft gelöscht werden, bist du mit einer zusätzlichen sichtbaren Bildunterschrift (z. B. „Symbolbild generiert mit KI“) auf der rechtssicheren Seite.
Was passiert, wenn ich einen KI-Text ohne Kennzeichnung veröffentliche?
Wenn du den Text inhaltlich geprüft und überarbeitet hast, greift die Ausnahme der redaktionellen Kontrolle. Es passiert nichts. Wenn es ein purer KI-Text ist, verstößt du ab August 2026 gegen die Transparenzpflicht des AI Acts, was mit empfindlichen Geldbußen geahndet werden kann.
Deine Takeaways für die Praxis
Transparenz bei der KI-Nutzung ist kein reines Bürokratiemonster, sondern ein Werkzeug zur Kundenbindung. Offenheit schafft Vertrauen. Du musst nicht jeden handgeprüften Textbaustein abstempeln. Die entscheidende Regel lautet: Der Kunde darf niemals getäuscht werden. Er muss wissen, ob er gerade mit einer Maschine chattet oder ein völlig künstliches Produktbild betrachtet. Implementiere die bereitgestellten Mustertexte auf deiner Website, weise dein Team an, KI-Texte immer inhaltlich zu redigieren und du bist für den Stichtag im August 2026 bestens gerüstet.